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LEBEN - bricht sich immer wieder Bahn

Aktualisiert: 24. Mai


Wir haben in unseren Breitengraden das Glück vier Jahreszeiten erleben zu dürfen. Das Frühjahr, den Sommer, den Herbst und den Winter. Jede Jahreszeit trägt in sich eine besondere, verborgene Kraft. Das Frühjahr vermittelt uns Aufbruch und neues Leben, der Sommer die Beständigkeit, der Herbst die Vergänglichkeit und der Winter die Ruhe um neue Kraft zu sammeln und sich auf den Frühling vorzubereiten.


Die Wunder der Natur in Form von Blumen die im Frühjahr dem Frost trotzen und aufgehen, aber auch das verwandeln einer Raupe in einen Schmetterling zeigt uns, was für eine verborgene Kraft in der Natur steckt, die zum gegebenen Zeitpunkt, für unsere Augen sichtbar wird. Hier geschieht Wandlung!



Ich möchte Ihnen dazu eine persönlich Geschichte erzählen. Auf den ersten Blick wird hier die Kraft der Natur nicht gleich sichtbar werden. Aber vielleicht kann es uns gelingen, mit einem neuen Blick einmal hinter die Dinge zu schauen und im Vertrauen von und aus der Natur zu lernen und zu leben.


Als mein Schwager 2009, mit 52 Jahren sich gewöhnlich wie jeden Morgen in sein Auto setzte um zu seiner Arbeit zu fahren, bekam er einen Herzinfarkt. Er war sofort tot. Das war ein sehr großer Schock für die Familie, die Angehörigen und alle, die ihn kannten. Ich kann mich noch erinnern, wie automatisiert unser Leben weiter ging und mir die Kraft fehlte einfache gewöhnliche Arbeiten zu verrichten. Unsere Psyche reagiert ohne dass wir da Einfluss darauf haben. Unser Körper erstarrt. Auch ich fühlte mich kraftlos und wie erstarrt.

Vielleicht kennen auch Sie solche Erfahrungen des Todes, wenn Sie einen lieben Menschen verloren haben, die Sie dann haben erstarren lassen, wo erst einmal nichts mehr geht, wo uns Trauer überrollt.

Es braucht seine Zeit aus dieser Trauer, dieser Erstarrung wieder heraus zu kommen. Auch ich bin erst nach langer Zeit wieder aus dieser Erstarrung herausgekommen. Geholfen hat mir da mein Glaube an einen G*tt in allen Dingen, an etwas, was über alles sichtbare und fühlbare hinausgeht. Mein Vertrauen in das Leben und in eine Kraft, die nicht mit Worten erklärbar ist. Diesen Glauben an einen Lebensbejahenden G*tt, erfahre ich auch sehr in der Natur.

Hier mache ich jedes Jahr durch die vier Jahreszeiten die Erfahrung, wie erstarrtes und scheinbar totes wieder ins Leben kommen kann. Die Natur hält mir jedes Jahr den Spiegel vor, für mein eigenes Leben.

Wenn ich mir eine verpuppte Raupe anschaue, erscheint sie leblos, tot und starr. Wenn ich nicht wüsste, dass sich darin schon Leben befindet, welches sich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen zu einem wunderschönen Schmetterling entfaltet, - würde ich es nicht glauben.





Wir alle wissen, dass die Natur jedes Frühjahr nach der Winterruhe wieder erblüht. Und wir wissen, dass die Raupe sich erst verpuppen muss, ja in eine Art Todesstarre verfallen muß um ein Schmetterling zu werden.



In der Bibel steht, „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Vielleicht kennen Sie diese Bibelstelle. Sie fasst das zusammen, was ich jedes Jahr in der Natur neu erleben darf. Aus „scheinbar“ Totem, entsteht neues Leben. So wie aus dem Kokon der Raupe, im Frühjahr ein wunderschöner Schmetterling wird, oder aus vielen Samen neue Pflanzen entstehen.

Und wenn Sie sich einmal ein kleines hartes, Weizenkorn vorstellen……wenn wir nicht wüßten, dass hier neues Leben entstehen kann, vielfach, hundertfach, - wir würden es nicht glauben.

Aber die Erfahrung sagt uns, nach Erstarrung kommt immer wieder neues Leben!!! Wir wissen nicht wie und können es nicht erklären, aber es entsteht neues Leben.

Es liegt an uns, wonach wir unser Leben ausrichten, woran wir uns festhalten möchten und was uns zu mehr Leben verhilft. Und es liegt auch an uns, mit welchem Blick wir durch das Leben gehen.

Wenn wir Trauer erfahren, nicht nur wenn wir uns von einem lieben Menschen verabschieden müssen, sondern auch in diesen Tagen der Besorgnis über den Krieg in der Ukraine, fällt es uns schwer den Blick auf das LEBEN zu richten.

Und dennoch springt uns das Leben in diesen Tagen auch so sehr an!!!

Mir gibt die Natur immer wieder neue Beispiele und auch Kraft für meinen persönlichen Alltag. So ist es möglich auch im Alltag Überraschendes zu erfahren, dass sich Dinge verändern können, wenn ich mich darauf einlasse.

Wir können unseren Blick auf die Erfahrungen des Lebens lenken, von denen ich oben beschrieben habe und uns fragen, „was passiert hier, wie geht das“? Lasse ich mich ein auf die Wunder in der Natur? Auch an mir selbst und anderen, weil auch ich ein Wunder der Natur bin?


Im Fall meines Schwagers saß ich damals mit unserem Jüngsten (6 Jahre alt) ziemlich verzweifelt auf dem Sofa und er sagte zu mir: “Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod.“

Mir fielen die Raupen ein, die ich für unsere Kinder von den gelbe Rüben gesammelt hatte und die sich schon verpuppten. Diese zeigte ich unserem Sohn mit dem Satz, “hier schau Dir diese verpuppten Raupen an. Sie scheinen wie tot. Aber da ist ganz viel Leben enthalten, welches wir noch nicht sehen können. Im Frühjahr werden daraus wunderschöne Schmetterlinge werden.“ Er schaute mich nur ungläubig an.

Als es Frühjahr wurde ging er eines Morgens an dem Behälter dieser verpuppten Schmetterlinge vorbei. Nicht mehr an seine getätigte Aussage denkend rief er, „oh schaut mal, da sind Schmetterlinge drin“.

Ja,- da waren „plötzlich“ Schmetterlinge drin! Wie das geht und woher sie die Kraft bekamen sich zu verwandeln?

Eine Antwort kann ich Ihnen nicht geben. Und auch Sie werden sicher keine finden. Aber ich möchte Sie einladen, mit den Augen des Staunens und der ansteckenden Hoffnung auf solch ein Wunder zu schauen. Und vielleicht kann es gelingen diese Kraft aus der Natur, in mein Leben zu übertragen und mich im Vertrauen offen zu halten, für das, was das Leben und auch der Tod für mich noch bereit halten kann.

Denn die Natur zeigt uns jedes Jahr neu, vieles geschieht im Verborgenen, im scheinbar erstarrten - und doch entsteht neues Leben!

Gerade auch in diesen Tagen, wo uns alle eine Trauer überfallen möchte -

bricht sich neues Leben immer wieder Bahn!!! Lassen wir uns anstecken


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