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Inneres Leben

Aktualisiert: 26. Feb.


Was bedeutet ein inneres Leben? Und gibt es das überhaupt?

Die Antwort darauf muss wohl jede*r für sich selbst geben.

Ich möchte aber hier einmal versuchen zu erklären, was es für mich bedeutet.


Seit unserer Woche in Taizé Anfang August 2023, habe ich für mein "inneres Leben" wieder einmal einen tieferen Zugang, eine weitere Antwort gefunden. Unsere täglichen Bibeleinführungen die uns Fr. Pedro gegeben hat, waren hier sehr bereichernd.




Ein inneres Leben begleitet mich schon sehr lange und es ist für mich eine Entscheidung zu einem inneren Leben geworden, die ich jeden Tag treffe. Ein inneres Leben habe ich nicht einfach so und es bleibt mir auch nicht einfach so erhalten. Ich muß es pflegen und bewahren, ja sogar schützen vor den vielen täglichen Herausforderungen die meine Augen sehen und was ich um mich herum jeden Tag wahrnehme.


Für mich als Christin ist es ein Suchen nach einem tieferen Verständnis des Glaubens und ein inneres Leben muß ich einüben. Eine Reise in ein inneres Leben ist für mich ein Durst nach Leben überhaupt, was es ja in vielen Religionen gibt. Ein Durst, eine Sehnsucht nach Lebendigkeit, Frieden und Wahrheit wie sie mir diese Welt hier nicht geben kann. Ein Suchen nach mehr- und tatsächlich ein Finden - immer wieder neu und immer wieder tiefer und anders. Es ist eine Entscheidung! Eine Entscheidung die mich herausfordert, aber auch zu einem inneren Frieden führt. Denn es gibt viele Wege, Wege in alle Richtungen. Ich muß mich entscheiden für einen Weg - auch für einen inneren Weg. Und diesen auch immer wieder mit dem äußeren Leben um mich herum abgleichen.


Die Bibel erzählt vom lebendigen Wasser, sie ist voll von diesen Bildern. Und dieses Wasser von dem die Bibel erzählt, wird als Glaube dargestellt. Wir können dies finden im Psalm 63, "Meine Seele dürstet nach dir"

Psalm 42, " Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott"

Es ist eine spirituelle Suche - eine Suche, die wohl ein ganzes Leben lang geht. Eine Sehnsucht im Herzen und in der Seele. Das Leben ist wie ein Tal, das durchquert werden will mit allen Hindernissen. Es gibt im Leben immer wieder eine Zeit des Leidens aber auch der Freude. Und es ist mein Durst in meinem inneren Leben, eine Sehnsucht, die mich auf dieser Reise begleitet. Und es ist für mich auch die immer wiederkehrende Frage nach dem "was ich jetzt brauche"? Die Frage nach dem was ich jetzt brauche, ist für mich gar nicht immer so leicht zu beantworten.


Bei einem Arztbesuch werden wir oft gefragt, ob wir genügend Wasser trinken. Denn es tut unserem Körper gut, viel Wasser zu trinken. Doch oft ist es zu wenig.


Die andere Frage heißt: Wie oft trinke ich lebendiges Wasser? Das lebendige Wasser des Lebens und Glaubens, der Hoffnung und der Zuversicht, der Liebe und des inneren Friedens?

Es gibt den physikalischen Durst - und den inneren Durst.



In der Bibel wird neben vielen anderen Stellen nach dem lebendigen Wasser, die Begegnung Jesus mit der Frau am Jakobsbrunnen beschrieben. Nach dem inneren Durst... (Joh. 4,14) ..."wenn du wüsstest, was Gott dir geben will und wer dich hier um Wasser bittet, das du wirklich zum Leben brauchst."


Die Frage steht im Raum: "Wieviel lebendiges Wasser trinkst Du?"


Was ist für mich das lebendige Wasser?

Für mich ist es meine morgendliche Meditation, meine Spaziergänge in der Natur, die Gespräche mit meinem Mann über unser geistliches Leben, Loben und Danken in Liedern und Gebeten in Taizé oder wöchentlich bei den Missionsärztlichen Schwestern, oder unser monatliches Taizégebet. Das lebendige Wasser ist für mich auch, wenn ich Menschen zum Sterben begleite und ganz besondere Momente mitten im Alltag, die ich nicht machen kann, sondern einfach geschehen.

Ich benötige diese Orte, und die Gemeinschaft mit anderen, aber vor allem mit diesem lebendigen G*tt in allen Dingen. In diesen unverhofften Momenten, wo etwas geschieht.


Jes 55: Einladung an alle zu kommen, zu trinken und zu essen ähnlich Off. 22,17: „ Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme! Wer will, empfange unentgeltlich das Wasser des Lebens!“ Wir müssen das Wasser einteilen auf dem Weg des Lebens. Immer wieder neu.


Nicht nur in der Bibel stehen für uns Gleichnisse zu lebendigen Wasser und für die wahren existentiellen Dinge.

"Der kleine Prinz" ist auch ein wunderbares Beispiel wo und wie in unserem Leben lebendiges Wasser zu finden ist, auch mit wem.


Im Kap. 24 und 25 nachfolgend zu lesen.

24. Kapitel: Die Schönheit der Wüste

Es ist der achte Tag nach der Panne des Piloten angebrochen. Seine Wasservorräte sind aufgebraucht. Er hat Angst zu verdursten. Aber auch den kleinen Prinzen dürstet es. Auch wenn dieses Ansinnen hoffnungslos erscheint, machen sich beide gemeinsam auf die Suche nach einem Brunnen. Als die Nacht anbricht, setzen sie sich erschöpft in den Wüstensand und betrachten die leuchtenden Sterne. Gemeinsam entdecken sie die geheimnisvolle Schönheit der Wüste, in der irgendwo ein Brunnen verborgen ist. Der Pilot erkennt, dass das, was Schönheit der Wüste ausmacht, unsichtbar ist und nicht mit bloßen Augen entdeckt werden kann. Der Pilot nimmt nun den eingeschlafenen kleinen Prinzen auf seinen Arm und setzt die Suche fort. Er ist tief bewegt über die strahlende Wärme, die von seinem zerbrechlichen, schutzbedürftigen Kameraden ausgeht. Bei Tagesanbruch entdecken sie einen Brunnen.


Der kleine Prinz und der Pilot finden in der Wüste das Wasser des Lebens.


25. Kapitel: Der singende Wüstenbrunnen

Der Brunnen erscheint dem Piloten wie ein Wunder, wie in einem Märchen ist alles bereit, mitten in der Sahara: ein gemauerter Dorfbrunnen mit Seilwinde, Wassereimer und Seil. Gemeinsam haben sie das Wasser des Lebens gefunden. Als der Pilot den Eimer in den Brunnen hinablässt, quietscht die Seilwinde. Für den kleinen Prinzen ist dies der Gesang des Brunnens. Der kleine Prinz sagt feierlich: »Ich habe Durst nach diesem Wasser, gib‘ mir zu trinken…« Der Pilot hält ihn den Eimer an die Lippen. Dieser Wassertrunk ist für den kleinen Prinzen mehr als ein Schluck Wasser. Er hat symbolische Bedeutung. Er trinkt mit geschlossenen Augen, als wäre es ein Fest. Was man im Leben sucht, könnte man in einer einzigen Rose finden, meint der kleine Prinz, oder in einem einzigen Schluck Wasser. »Aber die Augen sind blind. Man muss mit dem Herzen suchen.«



Es ist die Bedeutung meines Durstes und meine Fähigkeit mich durch mein inneres Leben für die schönen und wahren Dinge zu öffnen und sie zu entdecken. All das, was ich nicht mit den Augen sehen kann, sondern mit meinem Herzen und meiner Seele. Das wird hier in der Geschichte vom kleinen Prinzen sehr schön geschildert.

Vieles was wirklich ist und meinen inneren Durst stillt, kann ich oft nicht mit denAugen sehen. Ich darf es spüren, innerlich verkosten, mich daran sättigen und mich für meinen Alltag stärken lassen. Es wird mir unentgeltlich jeden Tag neu angeboten.


Die Wüste ist ein schönes Bild für einen versteckten Brunnen. Inmitten von Leben gibt es oft viele solcher Brunnen. Oft auch unbemerkt. Menschen können mir lebendiges Wasser schenken. Aber auch die Schönheit der Natur oder des Momentes. Oder aber ein Gebet, ein Gesang...

Juliana von Norwich (14. / 15. Jhdt.) Mystikerin Bete selbst, wenn du nichts siehst. Bete selbst, wenn du nichts fühlst. Wenn du trocken, leer, krank bist, ist es ein besonderes Gebet.

Das Gebet ist eine dauerhafte Aufgabe der Seele –

Oder positives Denken – wie beim kleinen Prinzen In der Bibel scheint für Israel im Exil alles verloren. Jesaja: Seht ich mache etwas Neues, seht ihr es schon. Jesaja lädt ein die Augen des Herzens öffnen:

G*tt ist bei ihnen, er hat sie nie verlassen. Sehe ich diesen neuen Horizont? Vielleicht auch trotz Krankheit, Trauer, Krieg, Klimawandel?

Der Horizont als neuen Anfang gegen den Pessimismus der Zeit Als Christin möchte ich mich nicht vom Negativen erstarren lassen. Gebet und Lobpreis, da spüre ich wie mein Herz aufgeht für einen neuen Horizont. Und hier kann oft das Dunkel in Licht verwandelt werden.

Was ist der Nutzen des Gebets? Gebet ist ein österliches Erleben: Vom Zweifel und Dunkelheit zum Licht, von Zerbrechlichkeit zu echtem Leben. Im Gebet kann ich mich nicht verstecken, ich komme mit allen meinen Wunden der Vergangenheit und aber auch meiner zukünftigen Hoffnung, mit dem ganzen Körper. Atem und Erholung beim Gebet - alle Sinne können beteiligt sein Augen schließen: und die Schönheit des Herzens wahrnehmen–

Augen öffnen: andere als Teil der Schöpfung wahrnehmen

Hände öffnen: geben und empfangen – meine, oder die Bedürfnisse anderer halten Körperhaltung: Ausdruck des Gebets Meine Füße halten mich, führen mich zum Gebet, ich bringe mich in Kontakt zur Erde

Störungen während des Gebets: G*ttes Geist ist mir geschenkt, im richtigen Moment den Geist richtig einzusetzen. Störungen vorbei gehen lassen, wie einen Zug der vorbei fährt. Um dann wieder zur Stille zurückzuckkehren, zum Atem, zu einem Wort der Schrift...immer wieder zurückkehren. Bei Störungen meinem G*tt sagen: Das ist das, was ich bin, ihm/ihr hinhalten

Mein Gebet ist meine Bescheidenheit, so wie ich bin. Ich möchte immer wieder einen Raum zum Zuhören in mir schaffen.

Alles ist gut, ich darf den Weg zu G*tt finden, auf mein Herz hören, das Gebet ist eine Schule der Liebe, um über die unvorstellbare Liebe G*ttes nachzudenken. Und mein inneres Leben darf immer wieder neu wachsen und erstarken. Aber es ist für mich auch eine Entscheidung zu einer anderen Wirklichkeit. Einer Wirklichkeit, die ich nicht mit den Augen sehen kann. Einer Wirklichkeit die im Inneren Leben stattfindet und die andere Wirklichkeit im Außen, in diesem Moment loslässt.



Ja diese Woche in Taizé hat mir in Vielem wieder einmal die Augen des Herzens geöffnet, hat meine Seele angerührt mich wieder tiefer und bewusster auf den Weg einer inneren Suche geführt. Einen Weg, den ich schon sehr lange gehe, wo ich aber immer wieder dankbar Neues entdecke, das ich pflegen möchte wie eine Beziehung, in einem achtsamen Umgang mit mir und meiner Umwelt, im Gebet und in der Meditation, aber auch in solchen Wochen wie in Taizé oder in Exerzitien, die mich wieder das lebendige Wasser erfahren lassen.

Aber auch mitten im Alltag, in der Begegnung mit dem ganz Alltäglichen, wo mir mitten in der Wüste ein singender Brunnen bereitgehalten wird. Diese vielen Brunnen auch zu entdecken, dafür möchte ich mein inneres Leben bereithalten.

Mich entscheiden -das neben meinem äußeren Leben, auch mein inneres Leben seinen Platz haben darf. Je älter ich werde, sogar immer mehr Platz haben darf.


Anmerkung: Manches was ich hier aufgeschrieben habe sind Notizen die während der Bibeleinführung entstanden. Ich hoffe ich konnte es verständlich wiedergeben.




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