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Schmerz

Aktualisiert: 13. Aug.


Nachfolgend das Gedicht von Amanda Gorman, aus "Was wir mit uns tragen" und meine eigenen Gedanken dazu




Guter Gram

Der Ursprung des Wortes Trauma

ist nicht nur "Wunde", sondern

"durchdringen" oder "drehen", wie Klingen, die ihr Ziel finden.

Gram beherrscht seine eigene Grammatik,

strukturiert durch

Vertrautheit & Vorstellungskraft.

Wir sagen oft:

Wir sind außer uns vor Trauer.

Wir können es uns nicht einmal vorstellen.

Das heißt, Angst kann uns dazu bringen,

uns mehr vorzustellen, als wir glaubten tragen oder gar überleben zu können.

Das bedeutet, es gibt einen guten Gram.


Der Schmerz ist unser Wissen,

wir sind am Leben & wach;

er macht uns bereit für all die

unerträglichen Ungeheuerlichkeiten vor uns.

Wir sind neu durchdrungen vom Vorwärtsgehen.


Alles, was schwer wiegt, muss

keine Last sein, keine Qual.

Nennt es stattdessen Anker.

Gram hält uns am Grund seines Meeres.

Verzweiflung verlässt uns, so wie sie kam -

durch den Mund.

Selbst jetzt noch übt Überzeugung

einen seltsamen Zauber auf unsere Zungen aus.

Wir werden wieder aufgebaut

durch das, was wir

bauen/finden/sehen/sagen/erinnern/wissen.

Was wir tragen, ist unser Überleben,

ist, was uns überlebt.

Wir haben uns überlebt.

Wo wir einst alleine waren,

sind wir nun außer uns.

Wo wir einst wie Widerhaken waren & brutal wie Klingen.

Jetzt können wir es uns vorstellen.

Amanda Gorman, aus: Was wir mit uns tragen


Wenn jemand so wie ich, so viel mit Tod und Trauer konfrontiert wird, dann begegne ich auch dem Schmerz. Einem Schmerz den ich auch aus eigener Erfahrung kenne, der mich droht wegzuschwemmen, sich unaushaltbar anfühlt, ich nicht annehmen möchte, mich lähmt und beherrschen möchte. Und sicher es benötigt, Geduld, Zeit und Mut sich diesem Schmerz zu stellen, aber ich weiß auch dass es möglich ist hier immer wieder herauszukommen. Ich komme anders heraus als ich hineingegangen bin, aber ich komme wieder heraus. Ich komme heraus mit Verlusten, aber auch mit neuen Gewinnen. Mit neuen Erfahrungen über mich und meiner Kraft und dem was mich wirklich trägt. Wir können immer wieder auf unsere eigenen Ressourcen zurückgreifen, auf sie vertrauen. Auch auf unsere Resilienz! So wie es Amanda Gorman in ihrem Gedicht benannt hat. "Was wir tragen ist unser Überleben"


Es tut sehr weh dem Schmerz zu begegnen...und in diesem Fall Geduld zu haben, ist sicher nicht unsere große Eigenschaft.

Vielleicht kann es dann in diesem Moment helfen dem "Gram" der seine eigene "Grammatik" beherrscht, zu vertrauen, weil tief in uns eine Liebe an das Leben verankert ist.

Wenn es uns gelingt die Qual als Anker anzunehmen an dem ich mich festhalten und vertrauen kann. Denn wenn ich weiß, der Schmerz ist mein Wissen ich bin am Leben und wach, ich bin verbunden mit mir und dem Leben dem was ich betrauere - dann kann ich mich neu auf den Weg machen.


Trauerbegleitung will zu nichts anderem Verhelfen, als diesen Schmerz in mein Leben zu integrieren, damit der Schmerz transformiert wird und ich mein Leben wieder neu gestalten kann. Neues wird entstehen!

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