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Ignatianische Schweigeexerzitien

Aktualisiert: 24. Mai



In diesem Beitrag möchte ich einmal vorstellen was denn Exerzitien sind.



Exerzitien bedeuten "Übungen" und können auf ganz unterschiedliche Weise durchgeführt werden. Notwendig ist die Bereitschaft mich einzulassen auf einen Weg, der meine Offenheit für einen inneren Prozess erfordert. Und manchmal kann es sein, dass dieser Prozess Veränderungen in mir und meinem Leben hervorruft. Veränderungen die ich zulassen kann und mich zu persönlichem Wachstum anregen, die mir helfen in meinem geistlichen Leben weiter zu reifen und weiter zu gehen.


Es gibt verschiedene Angebote von Exerzitien. Filmexerzitien, Exerzitien im Alltag, Kontemplative Exerzitien, Wanderexerzitien und noch einige mehr. Ich suche mir die Exerzitien die mir entsprechen und mich auf meinem Weg weiter bringen.


Die Exerzitien die ich hier beschreiben möchte, und die ich schon zum wiederholten male durchlebt habe sind ignatianische Schweigeexerzitien. Nach dem Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola benannt.


Ignatius von Loyola wurde 1491 als zwölftes Kind und jüngster Sohn einer baskischen Adelsfamilie in Spanien geboren. Er genießt eine höfisch-militärische Ausbildung und ist immer auf der Suche nach Ruhm und Ehre, so auch bei einer aussichtslosen kriegerischen Auseinandersetzung, bei der er schwer verwundet wird. Auf dem Krankenlager stehen ihm statt der gewohnten Ritterromane nur Heiligenlegenden und die Beschreibung des Lebens Jesu zur Verfügung. Diese Lektüre verändert sein Leben und Ignatius beschließt, Jesus nachzufolgen.

Nach seiner Genesung macht sich Ignatius als armer Pilger auf den Weg, verbringt zunächst ein Jahr als Einsiedler in strenger Buße und bricht danach auf nach Jerusalem. Er will im Heiligen Land bleiben, was ihm aber verwehrt wird. Ignatius erkennt, dass ihm theologisches Wissen fehlt, um Menschen für Christus gewinnen zu können und zu dürfen, und beginnt nach seiner Rückkehr mit dem Studium, unter anderem in Paris. Dort entsteht ein Freundeskreis, die Keimzelle der „Gesellschaft Jesu“, des späteren Jesuitenordens, der 1540 vom Papst bestätigt wird.

Ignatius schreibt seine Erfahrungen, die er als Genesender und Einsiedler gemacht hat, als „geistliche Übungen“ in seinem Exerzitienbuch auf und gibt sie unermüdlich an andere weiter, um möglichst vielen Menschen zu helfen ihren eigenen Weg im Glauben an einen "G*tt in allen Dingen"zu finden. Und um den kostbaren Schatz, den Gott jedem schenken möchte, zu teilen. Die Exerzitien sind zum spirituellen Vermächtnis an seinen Orden und an die ganze Christenheit geworden.

Er stirbt am 31. Juli 1556. Der Orden hat zu diesem Zeitpunkt weltweit bereits mehr als 1000 Mitglieder. Ignatius wird 1622 heilig gesprochen, sein Gedenktag ist der 31. Juli. Er ist der Namenspatron des Wohnhauses für die Jesuiten in HohenEichen.

Und hier habe ich vom 17.- 25.11.2021, dieser Kurs durfte wegen den steigenden Coronazahlen gerade noch stattfinden, eine Woche lang meine Exerzitien verbracht. Diese Exerzitien von Ignatius von Loyola beinhalten 7 Tage durchgängiges Schweigen. Einmal am Tag eine Eucharistifeier, Leibesübungen und mind. 4 mal am Tag eine halbe Stunde bis Stunde sitzen in Stille und Meditation. In dieser Stille achte ich auf meinem Atem und spüre in mich hinein, führe meine Gedanken, die mich immer wieder wegführen möchten, zurück zu mir und meinem Atem und meinem Bewusstsein in G*ttes Gegenwart zu sein. Mit einer Begleitperson der Wahl meines Vertrauens, treffe ich mich jeden Tag und spreche an was in der Stille bei mir hoch kommt. Hier bekomme ich auch immer wieder Anregungen über eine Bibelstelle, einen Text oder ein Bild welches mich anspricht, zu meditieren. Dabei kommt natürlich mein ganzes Leben zum Vorschein. All das was mich freut, bedrückt, aber auch so manche Krise die bewältigt werden muß. Die Meditationen, Leibesübungen und Spaziergänge in der Natur helfen mir auf die inneren Regungen zu achten, feinfühliger und achtsamer zu werden was sich in mir regt. Das Essen im Schweigen dient ebenso dazu meinen Geschmack und mein Hungergefühl mehr zu beachten. Achtsam zu werden mit mir und allem was sich da seelisch wie körperlich regt.

Ich mache immer wieder die Erfahrung, wie sich eine Gemeinschaft von ca. 15 Menschen plus minus, die gemeinsam 7 Tage im Schweigen miteinander verbringen, auf eine berührende Art näher kommen. Und es fällt mir auf wie gut es mir tut, einmal leer zu werden von all den vielen Aktivitäten, Eindrücken eines Tages, einer Woche, Monate und Jahre und den Worten nicht so viel Raum zu geben - sondern im Schweigen ganz vor G*tt da zu sein.

Diese Tage sind oft auch anstrengend und alles andere als Erholungsurlaub im üblichen Sinn. Aber sie erfüllen mein Leben mit neuer Lebendigkeit, Freude, Kraft und geben letztlich meinem Alltag eine stärkende Neuausrichtung. Wenn ich ehrlich in diesen Tagen auf mich schaue und alles was ich wahrnehme auch zulasse, auch wenn es noch so unangenehm ist, wachse ich in meiner Persönlichkeit, meinem geistlichen Leben weiter.


Und wenn am Ende der Exerzitien, oder auch erst wieder in den Alltag zurückgekehrt, sich eine große Dankbarkeit über mein Leben einstellt, mit allem Leidvollen aber auch Schönem was so ein Leben eben mit sich bringen kann, dann war es die Mühe und Anstrengung wert. Dann bin ich meinem G*tt, und dieser für mich oft so unbegreiflichen Liebe, wieder etwas näher gekommen. Es ist für mich immer wieder überraschend was sich da alles in mir bewegen kann und wie das auf mein weiteres Leben positiven Einfluss hat.


Und hier ein paar Impressionen meiner Exerzitientage. Bilder, die beim Spazieren gehen oder meditieren entstanden sind, weil sie mich inspiriert und in mir eine Resonanz hervorgerufen haben.

Ich lade ein, diese Bilder auch einmal in Ruhe auf sich wirken zu lassen...






















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